Sutherland (Schiff): Unterschied zwischen den Versionen

Aus HMS Lydia - Lexikon marinehistorischer Romane
Wechseln zu: Navigation, Suche
(Besatzung der ''Sutherland'')
Zeile 53: Zeile 53:
  
 
*Missis Siddons, Sau
 
*Missis Siddons, Sau
 +
 +
=Die ''Sutherland'' im Film=
 +
 +
Ebenso wie in den Romanen übernimmt Hornblower im Film "[[Des Königs Admiral (Film)|Des Königs Admiral]]" nach den Abenteuern mit der Fregatte ''[[Lydia]]'' das Kommando über das 74-Kanonen-Linienschiff ''Sutherland''. Zur Herkunft des Schiffs wird im Film angemerkt, es sei ein ehemaliger Franzose (also kein niederländisches Schiff wie im Roman). Die Änderung dieses Ursprungs läßt es natürlich in der knappen Erzählweise des Films logischer erscheinen, daß Hornblower mit diesem Schiff die Franzosen täuschen und in einen befestigten Hafen eindringen kann.
 +
 +
Im Gegensatz zur Film-''Lydia'' wurde die ''Sutherland'' nur durch Modelle bzw. Kulissenbauten (Decksszenen) dargestellt.
  
 
=Historischer Hintergrund=
 
=Historischer Hintergrund=

Version vom 13. Dezember 2013, 00:42 Uhr

H.M.S. Sutherland ist ein 74-Kanonen-Schiff, das von Horatio Hornblower im 1810 spielenden Roman "An Spaniens Küsten" (engl. "A Ship of the Line") kommandiert wird.

Das Schiff im Roman

Ein niederländisches Linienschiff von 64 oder 68 Kanonen vor Anker mit gefierten Marsstengen, vermutlich zwischen 1806 und 1810. Es ist ein etwas kleinerer Typ als jener, dem Hornblowers fiktive Sutherland ex Eendracht angehört hätte.

Die Sutherland ist Hornblowers nächstes Kommando nach der Fregatte Lydia. "Ursprünglich war die 'Sutherland' die niederländische 'Eendracht' gewesen, die, bei Texel weggenommen und wieder instandgesetzt, nunmehr der häßlichste Zweidecker der ganzen Flotte geworden war." Hornblower befürchtet eine große Abtrift des Schiffs und seine schlechten Segeleigenschaften, falls er sich einmal "mit einem solchen Schiff von einer Leeküste freisegeln mußte. Wie ein Papierschiffchen würde es nach Lee abtreiben". Hornblower soll mit seinem Schiff zunächst einen Konvoi von Ostindienfahrern eskortieren. Da die Sutherland unterbemannt ist, preßt Hornblower von den Ostindienfahrern illegalerweise Seeleute. Die Sutherland soll nach Auflösung des Konvois Teil des Geschwaders von Sir Pery Leighton im westlichen Mittelmeer werden. Hornblower nutzt die Verspätung des Admirals am vereinbarten Treffpunkt zu einem Alleingang, bei dem er eine an der Küste marschierende feindliche Division durch Beschuß dezimiert. Die vorgebliche Ähnlichkeit der Sutherland mit französischen Schiffen wird später von Hornblower ausgenutzt, als er mit diesem Schiff in den Kriegshafen von Toulon eindringt und gegen eine Übermacht von vier französischen Linienschiffen kämpft. Hornblower muß schließlich die Flagge streichen, so daß er und seine Mannschaft in Gefangenschaft geraten. Die Sutherland wird zerstört.

Besatzung der Sutherland

  • Gerard, Rayner, Hooker (?), Leutnants
  • Crystal, Steuermann
  • Morris, Hauptmann der Seesoldaten
  • Walsh, Wundarzt
  • Savage, Fähnrich (dienstältester) oder Leutnant
  • Vincent, John Hart, Fähnriche
  • Longley, Seekadett, Neffe Gerards
  • Gray, Steuermann
  • Marsh, Feuerwerker
  • Price, Profos
  • Wood, Zahlmeister
  • Harrison, Bootsmann
  • Brown, Bootssteurer
  • Thompson, Decksoffizier
  • Polwheal, Steward
  • Laughton, Steward (Offiziersmesse)
  • Sullivan, Fiedel spielender Ire
  • Goddard, Seemann
  • Waites (ehem. Schafdieb), Dawkins, Gepreßte
  • Tom Cribb, Schwein
  • Missis Siddons, Sau

Die Sutherland im Film

Ebenso wie in den Romanen übernimmt Hornblower im Film "Des Königs Admiral" nach den Abenteuern mit der Fregatte Lydia das Kommando über das 74-Kanonen-Linienschiff Sutherland. Zur Herkunft des Schiffs wird im Film angemerkt, es sei ein ehemaliger Franzose (also kein niederländisches Schiff wie im Roman). Die Änderung dieses Ursprungs läßt es natürlich in der knappen Erzählweise des Films logischer erscheinen, daß Hornblower mit diesem Schiff die Franzosen täuschen und in einen befestigten Hafen eindringen kann.

Im Gegensatz zur Film-Lydia wurde die Sutherland nur durch Modelle bzw. Kulissenbauten (Decksszenen) dargestellt.

Historischer Hintergrund

Obwohl der Schiffsname Sutherland gelegentlich in der britischen Marine verwendet wurde (aktuell für eine Fregatte), gab es in der napoleonischen Epoche kein Kriegsschiff dieses Namens.

Die britische Royal Navy kaperte in den 1790er Jahren den größten Teil der niederländischen Linienschiffsflotte. Die damalige batavische Republik verlor 1796 in der Saldanha-Bucht, 1797 in der Schlacht von Campderduin und 1799 bei Texel/Vlieter über zwanzig Linienschiffe von 50-74 Geschützen. Es war allerdings kein 74er namens Eendracht (der frühere Name von Hornblowers Sutherland) darunter.

In der alten niederländischen Flotte und jener der batavischen Republik, also bis 1806, hatte es nur wenige 74-Kanonen-Schiffe gegeben, und keiner der von den Briten gekaperten 74er sah aktiven Dienst. Für Hornblowers Sutherland gibt es also kein direktes Vorbild. Anscheinend kamen für die britische Marine nur einige der Schiffe von ca 68 Kanonen in Fahrt, jedoch meist als Truppentransporter. Die Mehrzahl der Schiffe dienten stationäre als schwimmende Batterien, Kasernen, Gefängnisse oder Vorratsschiffe. Nach Vlieter 1799 wurde kein weiteres, unter niederländischer Flagge segelndes 74-Kanonen-Schiff von den Briten erbeutet. Wie man aus den wenigen Indienststellungen niederländischer Beuteschiffe schließen kann, scheinen die Briten diese Prisen nicht sehr geschätzt zu haben; der niederländische Schiffbau war gegen Ende des 18. Jahrhunderts auch nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

Im Roman nutzt Hornblower die Ähnlichkeit seiner ehemals niederländischen Sutherland mit französischen Linienschiffen zu einer Kriegslist. In gewisser Weise liegt Forester mit der Unterstellung einer Ähnlichkeit niederländischer und französischer Schiffe nicht ganz falsch. Ab 1804 wurden in der batavischen Republik und später im niederländischen Königreich, das von einem Bruder Napoleons regiert wurde, Schiffe nach französischen Linien gebaut, allerdings für die französische Marine. Keines dieser Schiffe konnte also als ehemals niederländisches Kriegsschiff gelten. Die älteren niederländischen Schiffe, die Forester mit der Schilderung der Suterhland offensichtlich im Blick hatte ("plumpe Umrisse", sehr geringer Tiefgang und schlechte Am-Wind-Eigenschaften), sahen allerdings französischen Schiffen durchaus nicht ähnlich. Insofern paßt Foresters Hintergrundgeschichte zur Sutherland nicht ganz. Er erweckt auch den Eindruck, als sei die Sutherland erst mit Hornblowers Kommandoübernahme in britischen Dienst gestellt worden. Der Roman spielt 1810; wie oben angedeutet, gerieten die letzten niederländischen Linienschiffe aber schon 1799 in britische Hand. Es ist unwahrscheinlich, daß ein Beuteschiff, sofern es überhaupt brauchbar war, erst zehn Jahre nach der Kaperung in aktiven Dienst kam.